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15. April 1945 – Kahla und die REIMAHG
15
Apr. 20

Status der Zivilverwaltung in Kahla:
Der Bürgermeister ist geflohen. Eine neue Person wurde eingesetzt.

Vom 15. April 1945 berichtet Major Robert L. Rogers in einer Tageszusammenfassung im Rahmen der G5-Berichte von der Situation in Kahla. Neben der Darstellung der Status des zivilen Lebens, ging es um natürlich um das Rüstungswerk REIMAHG.

Status der Fremdarbeiter:
Flüchtlings- und öffentliche Fürsorge in Kahla: 2000 Displaced-Persons. Aus einer zivilen Quelle wurde berichtet, dass letzte Woche 10.000 Personen in Richtung Tschechische Grenze verlegt wurden. Am Berg 315, unterirdische Flugzeugfabrik REIMAHG, befinden sich 6.000 DP`s. In Orlamünde befinden sich 1.000 DP`s. Der allgemeine Gesundheitszustand im REIMAHG Werk ist ziemlich schlecht. Unterernährung ist ein großes Problem.

Status der Versorgung in Großeutersdorf:
Auf dem Rangiergleis (besser: Abzweig) wurden 12 Güterwagen, beladen mit Flugzeugteilen, elektrischen Geräten und teilweise montierten Flugzeugen gefunden. Dazu kommt ein Auto mit Maschinenpistolen. In einem Lagerhaus in Teichel sind 3.500 Kilos Käse und 600 Kilo Butter vorrätig. In einem Warenhaus in Großeutersdorf wurde Kleidung entdeckt und wie folgt inventarisiert; 31,5 Taschen mit Waschpulver, 300 Felljacken, 1.000 Flannel-Hemden, 350 Paar Hausschuhe, 50 Wintermäntel, 1.000 paar Hosen, 1.000 Paar Strümpfe, 2.000 Holzschuhe, 1.000 Lederschuhe, für Männer, 2 Packen Decken, 100 gefütterte Hosen und einiges Werkzeug zum Schuhe reparieren. Es wurden „Gebäude geschlossen“ Schilder aufgestellt.

Anderes:
Das REIMAHG Flugzeugwerk in Großeutersdorf ist größtenteils unterirdisch. Das Werk produzierte seit etwa 2 Monaten. 18 Flugzeuge, alle mit Strahltriebwerk, wurden gebaut wobei nur eines abgehoben ist.

Arbeit im REIMAHG-Werk:
Ungefähr 20.000 Fremdarbeiter wurden zum Graben der Höhlen benutzt. Die eigentliche Herstellung wurde von 1500 Facharbeitern gemacht, welche 11 Stunden am Tag gearbeitet haben.

Die 89. Infanterie Division der Amerikaner übernahm am 13. April 1945 die Werksanlagen und befreiten die Lager.
Quelle: Holocaust Memorial Yad Vashem.

Die Zahlen zu den Zwangsarbeitern waren zu dem Zeitpunkt noch nicht genau zu erfassen. Noch heute kann man nicht exakt bestimmen, wie viele Menschen im und am ehemaligen Rüstungswerk REIMAHG arbeiten mussten.

Der aktuelle Zustand im April 1945 wurde jedoch detaiiliert beschrieben und dokumentiert. In den folgenden Tagen waren mehrere Einheiten verschiedener britischer und amerikanischer Dienste vor Ort um die Werksanlagen aufzunehmen.

Derweilen kümmerten sich die Einheiten der 89. Infanterie Division um die Stabilisierung der Region um Kahla. In einer Tageszusammenfassung vom 14. April 1945 schreibt der first lieutenant James T. Towne über die aktuelle Situation.

Eine große Prozentzahl, etwa 60-70%, der ausländischen Arbeitskräfte wurden von der Anlage in richtung Osten evakuiert. Viele von diesen Arbeitern konnten fliehen und sind auf dem Weg zurück in die Richtung der Fabrik und ihrer Lager.

Für die Region um Kahla gibt er die Zahlen für die einzelnen Orte an.

REIMAHG Werk6.000 Zwangsarbeiter
Neckerroda 
Normale Bevölkerung:235
Aktuell Bevölkerung:280
Flüchtlinge:140
Zwangsarbeiter:43
Großeutersdorf
Normal:465
Aktuell:500
Flüchtlinge:20
Zwangsarbeiter:24
Zeutsch
Normal:375
Aktuell:500
Flüchtlinge:130
Zwangsarbeiter:10
Orlamünde
Normal:2.000
Aktuell:2.200
Flüchtlinge:150
Zwangsarbeiter:1.000
Freienorla:
Normal:325
Aktuell:350
Flüchtlinge:125
Zwangsarbeiter:50

Die Versorgungssituation beschreibt er als sehr schlecht. »Ich habe mit Personen gesprochen, die seit drei oder vier Tagen kaum etwas gegessen haben«

Für den 15. April gibt es einen relativ neuen Zeitzeugenbericht eines Mitglieds der 89. Infanterie Division. Der Zeitzeuge berichtet, dass er am Nachmittag des 15. Aprils nach Hummelshain gekommen ist. Tags darauf erreichten sie die Lager im Leubengrund und sprachen mit den verbliebenen Zwangsarbeitern. Er berichtet, dass auch Frauen im Lager waren und von zwei Baracken, welche ihn an die medizinischen Versuche in Buchenwald erinnerten. Hierbei ist zu vermuten, dass er den Entlausungs- und Desinfektionsbau im Leubengrund meinte. 

Für viele der Zwangsarbeiter endete in diesen Tagen vor 75 Jahren die Leidenszeit vor Ort. Viele von ihnen waren jedoch bis zum Lebensende psychisch und auch gesundheitlich gezeichnet. Die Befreiung kam für einige der kranken Menschen jedoch zu spät. Sie verstarben an Krankheiten und Verletzungen noch bis Ende Juni 1945. 

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