04/2017 Words of Europe


Denkmal für die nach Deutschland deportierten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Castelnovo ne'Monti.

Im Rahmen des jahrelangen Engagements des Geschichts- und Forschungsvereins in der erinnerungskulturellen Vernetzung zwischen Opfer- und HInterbliebenenverbänden, Aufarbeitungsinitativen, Städten und Gemeinden sowie vielen Einzelpersonen entstanden in den vergangenen Jahren intensive Beziehungen zwischen der Stadt Kahla und der Stadt Castelnovo ne’Monti in Italien.

Hintergrund ist der historische Zusammenhang. Im Jahr 1944 wurden im Rahmen des Totalen Krieges mehr als 12500 Zwangsarbeiter aus ganz Europa nach Kahla deportiert, um ein unterirdisches Rüstungswerk zur Herstellung einer sogenannten Wunderwaffe, der Messerschmitt Me 262, zu realisieren.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen starben mehr als 2000 Menschen. Darunter 21 bisher bekannte Opfer aus der italienischen Kleinstadt nahe Bologna. In den vergangenen Jahren entwickelte sich in mehreren gegenseitigen Besuchen, eine intensive Zusammenarbeit. Seit 2001 besuchten Überlebende und offizielle Vertreter der Gemeinde die Gedenkfeierlichkeiten zu Ehren der Opfer der REIMAHG jeweils im Mai. Mehrere Schulprojekte, welche sich vorwiegend mit Zeitzeugen beschäftigten, führten zur intensiven Recherche und Zusammenarbeit des istorecoEsteri aus der Kreisstadt Reggio Emilia und dem Geschichts- und Forschunsgverein Walpersberg.

Im Jahr 2016 besuchte erstmals eine Delegation aus Kahla, bestehend aus der Bürgermeisterin Claudia Nissen-Roth, einigen Stadträten und dem Partnerschaftsverein die italienische Kleinstadt im Rahmen des Tags der Befreiung der Italiener am 25. April. Während des Besuchs kam es zur Absprache weiterer gemeinsamer Projekte. Im September 2016 nahmen Vertreter aus Italien an der Verlegung von Stolpersteinen zum Andenken an die im Zweiten Weltkrieg deportierten und ermordeten Kahlaer Juden teil.
Daraufhin wurden im Januar 2017 Stolpersteine in Castelnovo ne’Monti in Erinenrung an die nach Kahla deportierten und verstorbenen Zwangsarbeiter verlegt, an dem die Stadt Kahla mit der Bürgermeisterin, Stadträte und unser Verein teilnahmen.  

Durch das Europäische Förderprogramm „Europe for Citizens“ soll diese Initative nun auf breitere zivilgesellschaftliche Basis gestellt werden, um eine wirkliche Städtepartnerschaft anzustreben. Unter diesen Vorraussetzungen beantrage die Stadt Castelnovo ne’Monti entsprechende Fördermittel aus dem Programm, welche auch genehmigt wurden. 

Ablauf des Projektes

Das Projekt wird zwischen dem 22. und 25. April 2017 in Castelnovo ne’Monti in Form eines Workshops stattfinden. Neben Kahla und der italienischen Stadt wird als dritter Partner die französische Stadt Voreppe eingebunden. Diese ist die offizielle Partnerstadt von Castelnovo ne’Monti. 

Programm

Sohn und Enkelin eines nach Kahla deportieren und verstorbenen Zwangsarbeiters zeigen Bilder ihres Angehörigen.

Hauptorganisator des Projektes vor Ort ist die Stadt Castelnovo ne’Monti aus der Region Emilia-Romagna. 

Währende der Gedenkfeierlichkeiten zu Ehren des Tages der Befreiung am 25. April 2016 haben die drei Städte Castelnovo ne’Monti, Kahla und Voreppe entschieden eine engere Kooperation als Symbol der europäischen Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene zu suchen.

Teilnehmer aus Kahla

Geplant ist die Teilnahme von etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter einer Schulklasse aus der Regelschule Kahla, Vertretern von Vereinen, insbesondere des Geschichts- und Forschungsvereins Walpersberg e.V. und dem Partnerschaftsverein Kahla e.V., sowie aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt. 

Unterstützung durch den Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V. 

Im Rahmen unserer Vereinsarbeit möchten wir die internationale Vernetzung und Auseinandersetzung mit unserem Forschungsthema unterstützen.  Das Gesamtprojekt verfolgt unsere Satzungsziele das Interesse an historischen Zusammenhängen zu fördern und Gefahren aufzuzeigen, die durch fehlenden Verständnis entsprechend historischer Zusammenhänge entstehen. Gerade im aktuellen Kontext sich verstärkender nationalistischer und rassistischer Gruppieren, der allgemeinem Europa-Skepsis vieler Bürgerinnen und Bürger ist dieses Projekt ein wichtiger Bestandteil erinnerungskultureller Beziehungen zwischen den Ländern.  

Aus diesem Grund werden wir als Verein gemeinsam mit der Stadt Kahla eine Unterstützung des Projektes in Form der Ermittlung von zusätzlichen finanziellen Mittel anstreben. 

Gemeinde Castelnovo ne'Monti im Apennin.