Krankheit


Die medizinische Versorgung der ZwangsarbeiterInnen war vollkommen unzureichend; Marcel van den Steen schreibt dazu in seinem Tagebuch

Ich bin alle drei Tage krank, ohne zum Arzt zu gehen, aus Angst vor der halben Ration [die den Kranken zugeteilt wurde]. Kontrolle gehabt und keine Essenmarke oder Ausweis bekommen. Es ist schlimm, aber es lässt mich kalt. Heute Nacht bin ich gestürzt und mein Knie ist kaputt. Es geht alles zur Neige, aber ich pflege mich gut. Ich esse keine Suppe und trinke nichts, ich habe großen Hunger, lasse mir aber nichts anmerken.

Auf den Gesundheitszustand der ZwangsarbeiterInnen angesprochen antwortet Armand Lemoine aus Pieton in einem Interview

Wollen wir davon sprechen! Wir blieben drei Monate ohne den Schatten eines Arztes. Es gab übrigens auch kein Medikament gegen die Schwäche. Und dann sagte ich ihnen schon, dass die Kranken, Fiebernden genauso zur Arbeit gehen mussten wie die Gesunden. Wie ich mich erinnere, kam alle paar Monate ein belgischer SS Arzt mit dem Namen De Bruyn, der ein boshaftes Vergnügen daran, die Unglücklichen, die nicht mehr konnten, für fähig zur Baustelle zu erklären. Die Infektionskrankheiten kamen nun dazwischen vor, besonders der Typhus mit Ausschlag und die baziläre Dyssenterie. Das war unvermeidbar angesichts der Erschöpfung, des Hungers, der Läuse, des vollständigen Mangels an Hygiene und der Schläge.