Deportation und Ankunft


Jan Wrozlek berichtet über seine Verschleppung nach Deutschland

Meine Deportation nach Deutschland erfolgte am 3. Oktober 1944. Im Durchgangslager in Pruszkow wurde ich als Sklave behandelt. Ein deutscher Offizier hat mich besichtigt, ob ich stark bin und mich auf einen Transport nach Deutschland geschickt. Transportmittel war ein Güterzug. Alle saßen auf dem Boden, im Schmutz, ohne Nahrung und Wasser, ohne hygienische Möglichkeiten. Insgesamt waren wir 30 Personen im Waggon. […] [Wir] fuhren [...] mit dem Güterzug ins Durchgangslager bei Berlin/Erkner, nach einigen Tagen kam ich ins Durchgangslager in Erfurt. Es bestand keine Möglichkeit des Ausgangs und des Verkehr mit der Zivilbevölkerung. Aus dem Durchgangslager in Erfurt wurde ich in das Baulager II in Großeutersdorf neben Kahla überführt. Es war später Herbst kalt und feucht.

Francesco Gervasoni schreibt auf einem Zettel, den er nach seiner Verhaftung aus dem Zug werfen konnte

Liebe Maria, ich fahre meinem Schicksal entgegen. Die besten Wünsche für dich und die Kinder, Küsse an alle, Tschüß, Küsschen.
Liebe Maria, geh in die Fabrik um das Geld und das Paket und den Brotbeutel und den Gürtel abzuholen. Grüße und Küsse an alle, dein Francesco.
Küsse an dich und die Kinder.

Über seine ersten Eindrücke nach der Ankunft in Kahla berichtet der Gefangene Herbert Römer

In Kahla angekommen legten wir einen längeren Fußmarsch zurück und erreichten ein aufgewühltes Baugelände in Großeutersdorf, das rechts und links von noch im Rohbau befindlichen 2-geschossigen Bauten gesäumt war. Vor uns stand ein Ochsenkarren mit Küchenabfällen.

Er wurde von unförmig gekleideten ausgemergelten Menschen umlagert, welche die Abfälle nach noch Essbarem durchwühlten. Sie trugen erdfarbene gesteppte Jacken, an den Füßen keine Schuhe oder Stiefel, sondern Stücke von Zementsäcken, die mit Kordel umwickelt waren. Auf die Jacken war ein blaues Quadrat mit der Aufschrift „Ost“ genäht. Ich hatte zwar schon „Fremdarbeiter“ in Vacha gesehen, der jetzige Anblick versetzte mir aber einen Schock.