Stichling - Schwaz / Tirol


Deckname "Stichling" - Schwaz in Tirol

Zur Übersichtskarte aller auf dieser Seite beschriebenen U-Verlagerungen.

Deckname "Stichling"

Seit dem frühen 15. Jahrhundert wurde in Schwaz Silber und Erz abgebaut. Um 1500 kamen 85 % des weltweit geförderten Silbers aus der kleinen Gemeinde im Tiroler Inntal. 

Im Januar 1944 meldete das Bergamt Solbad Hall in Tirol an das Oberbergamt München die Grube als zur Verlagerung geeignet. Gleichzeitig wurde die Rüstungsinspektion Innsbruck informiert, um die Vergabe an die interessierten Rüstungsfirmen zu koordinieren. Eigentümer der Grube war der Gewerkschaftliche Schwazer Bergwerksverein, der im Jahr 1943 jedoch nur noch 27 Kumpel unter und 21 über Tage beschäftigte und vor allem mit Aufschlussarbeiten beschäftigt war. Ins Visier der Rüstungsinspektore kam der lange Erbstollen, der teilweise gemauert ausgebaut und einen Querschnitt von mindestens 2 qm hatte. Das durchschnittliche Profil betrug 1.90 mal 1.24 Meter. Mit Tropfwasser hatten die Bergleute in diesem Teil des Stollensystems zu kämpfen, so dass für die Einbauten Wasserführungen notwendig waren. Der Stollen wurde mit Diesellokomotiven und Förderwagen auf 700 mm Schmalspurgleisen befahren. Eine künstliche Bewetterung bestand nicht, jedoch war die natürliche durchaus ausreichend. Ohne Einschränkung der damaligen Produktion rechnete das Bergamt mit ca. 13.000 qm Produktionsfläche, die in kürzester Zeit herzurichten wäre. Für diese Fläche sollten fünf Hohlbaute ausgebaut und teilweise miteinander verbunden werden. Davor lagen vier auf der Höhe des Erbstollens, der Abbau Nummer 4 lag 10 m über der Stollensohle. Die Höhe der Hohlbauten betrug jeweils 10 – 25 m, so dass man einen mehrstöckigen Ausbau durchführte. Die ehemaligen Abbaue hatten eine unterschiedliche Nässebelastung. 

Stollenübersicht mit Hohlbauten
Stollenübersicht Erbstollen

Eine Stromleitung der Energiewerke Schwaz versorgte das System mit einer 50 KV Leitung. Zusätzliche Kabel und Transformatoren waren jedoch notwendig, um eine Produktion aufzunehmen. Weitere Voraussetzungen für den Ausbau der Anlage für ein Rüstungsunternehmen waren das Vorhandensein einer Pressluftversorgung und einer Be- und Entwässerung.  

Ein großes Problem bestand bei der Unterbringung von Gefolgschaftsmitgliedern. Baracken für 500 Arbeitskräfte sollten im Umfeld geschaffen werden. 

Am 3. April wurde das Verlagerungsvorhaben mit dem Aktenzeichen XVIII 44 SO J 3 – Schwaz vom Ministerial Direktor Fischer aus München in der Bauleitung übernommen und an die Firma Stayr-Daimler-Puch vergeben. Die Verlagerung bekam eine Dringlichkeitskennzeichnung für den technischen Ausbau durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Am 30. Mai wurde der Verlagerungsbescheid zurück genommen. Auf Grund der dringlichen Anfrage des Jägerstabes, wurde das Erzbergwerk Schwaz in Tirol für die Kleinteile-Fertigung der Firma Messerschmitt AG Augsburg mit einer Flächenausdehnung von 6400 qm vergeben. Die Sperre für Steyr-Daimler-Puch wurde damit aufgehoben. Im Jägerstab bekam die Anlage die Signatur Rü A Rü II/4 Nr.5767/44 g. Als Bergingenieur wurde der Dipl. Ing. Winkler eingesetz. Der daraufhin einsetzte Bauprozess hatte das vordringliche Problem der geringen Weitschaft des Erbstollens. Da der Stollen auf 1800 m in absehbarer Zeit nicht nachgerissen werden konnte, versuchte man eine zusätzliche Zufahrt für den Materialtransport zu errichten. Ungeachtet davon wurden die Hohlbauten nacheinander mit großen Betoneinbauten versehen. Teilweise auf 4 Etagen wurden Fertigungsräume eingerichtet. Nach und Nach wurden die Messerschmitt Werke Kematen und Ratingen in den Berg verlegt, um Leitwerke (Triebwerksverkleidungen) für den Düsenjäger Me 262 zu bauen. 

Nach dem Krieg wurden die Anlagen durch die Alliierten gesprengt und liegen heute als Trümmer im Berg.