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Wenn aus Feinden Freunde werden – Gedenken an die Opfer der REIMAHG

An der zentralen Gedenkfeier des Saale-Holzland-Kreises am 7. Mai im Leubengrund bei Kahla nahmen zahlreiche Gäste teil. Neben ausländischen Vertretern waren auch Landtags- und Kreistagsabgeordnete, Vertreter politischer Parteien und Institutionen aus Kahla sowie die Bürgermeisterin Claudia Nissen-Roth anwesend. Eigens aus dem Schwarzwald reiste erstmals eine Delegation an. Bei einem Treffen mit Vertretern aus Kahla und der Partnerstadt Illingen, im italienischen Castelnovo ne' Monti, erfuhren sie von den Feierlichkeiten und entschieden sich spontan zur Teilnahme.

Auch wenn sie selbst nicht anwesend sein konnte, übernahm die Thüringer Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Birgit Klaubert, die Schirmherrschaft über die diesjährigen Gedenkveranstaltungen.

„Wir freuen uns über die Teilnahme so vieler Menschen,“ zeigte sich der Vorsitzende des Geschichts- und Forschungsvereins Walpersberg e.V. Ronny Dörfer erfreut. So ehrten sie die Toten und zollten den Überlebenden ihren Respekt. 

Dem langjährigen Vorsitzenden des Freundeskreises Lager E Paul Baert dankten nicht nur die Mitglieder des GFV Walpersberg e.V. Auch der Erste Beigeordnete Dr. Dietmar Möller fand Worte des Dankes für den im März verstorbenen Belgier. „Er kam als Freund nach Kahla und nicht als Feind,“ sagte Möller. „Es war ihm ein Anliegen, den nachfolgenden Generationen seine Geschichte zu erzählen und seinen getöteten Kameraden zu gedenken.“

Ebenfalls gedacht wurde dem verstorbenen Bruno Gervasoni, dessen Vater als Zwangsarbeiter in Kahla war. Er half vielen Angehörigen das Schicksal ihrer Verwandten am Walpersberg aufzuklären und wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt für die Überlebenden und ihre Familien. Er ließ es sich bis 2015 trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen nicht nehmen jedes Jahr an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Es war ihm, wie auch Paul Baert, ein Herzensanliegen, die nur wenig bekannte Geschichte der Reimahg und ihrer Opfer präsenter zu machen.

Wie ein Vertreter der Stadt Castelnovo ne' Monti bekräftigte, sei es die Aufgabe der Überlebenden, gegen das Vergessen zu arbeiten, denn es bestehe die Gefahr, das sich die Geschichte wiederhole. „Mein Großvater und Großonkel waren in der Reimahg,“ berichtete er. „Sie überlebten die Zwangsarbeit, kamen aber mit tiefen seelischen Narben nach Hause.“ Sie seien nur ein Beispiel für die Leiden vieler hunderter Menschen, die nicht vergessen werden dürften.

„Ein großer Dank geht an die Schülerinnen und Schüler des Leuchtenburg-Gymnasiums Kahla und der Musikschule des Landkreises,“ so Ronny Dörfer. Sie begleiteten die Gedenkfeier im Leubengrund und rezitierten in fünf Sprachen Erich Frieds „Was es ist“. Luciano Ferro gilt der Respekt der Vereinsmitglieder und Gäste. Trotz gesundheitlicher Beschwerden nahm er an den Feierlichkeiten teil und übersetze für die niederländischen und italienischen Gäste ohne Vorbereitung die Redebeiträge.

An den anderen Lagern, in denen die Zwangsarbeiter untergebracht waren, fanden im Laufe des Tages ebenfalls Kranzniederlegungen statt. So auf dem Kahlaer Friedhof, in Hummelshain, in Kleindembach und am Lager E in der Nähe von Eichenberg.

Bereits am Freitag wurde nach dem Empfang der Gäste im Dokumentationszentrum in Großeutersdorf eine Gedenkstunde direkt am Walpersberg begangen. Zuvor weihte der Verein den neuen Parkplatz des  Dokumentationszentrums ein. „Für den Parkplatz haben wir erhebliche Eigenmittel aufgebracht und Fördermittel des Freistaates eingesetzt,“ erklärt Vereinsvorsitzender Dörfer. Mit dem Parkplatz direkt am Dokumentationszentrum biete man besonders größeren Reisegruppen, die mit Bussen anreisen, eine deutlich bessere Zugänglichkeit und mehr Service.