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Lebendige Geschichte

Kahlaer Delegation besucht Castelnovo ne’Monti (ITA) am Nationalfeiertag

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Am 25. April feiert Italien den Tag der Befreiung. Auf Einladung der Gemeinde Castelnovo ne’Monti nahmen in diesem Jahr auch auch eine Delegation aus Kahla unter Führung der Bürgermeisterin Claudia Nissen-Roth teil. Weiterhin waren mehrere Stadträte, Bürgerinnen und Bürger, sowie Vertreter des Partnerschaftsvereins Kahla und des Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg teil der Besuchergruppe. Die Idee dazu entstand während des Besuchs einer Schülergruppe aus der italienischen Kleinstadt, welche die Spuren von ehemaligen Zwangsarbeitern aus ihrem Ort verfolgten, der nach Kahla ins Rüstungswerk REIMAHG führte. Für einige der aus Italien am Ende des zweiten Weltkrieges verschleppten Männer, war Kahla die letzte Station in ihrem Leben. Sie verstarben auf Grund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen im unterirdischen Nationalsozialistischen Rüstungswerkes im Walpersberg. 

Aus dieser Geschichte zu lernen und den neuen Generationen die Werte von Menschlichkeit, Humanität und europäischer Identität näher zu bringen, vereinte alle Redebeiträge der vier Bürgermeister, welche während der Veranstaltung am 25.04. den Opfern von Krieg und Gewalt gedachten. Neben den Kahlaern waren Delegationen aus den Partnerstädten von Castelnovo ne’Monto Voreppe (Frankreich) und Illingen (Deutschland) anwesend. Sehr emotional wurde die Rede der Kahlaer Bürgermeisterin von den anwesenden Angehörigen ehemaliger Deportierter und den Partisanenverbänden, aber auch der Bevölkerung von Castelnovo ne’Monti verfolgt und aufgenommen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Grundgesetzartikel ist nicht nur ein einfacher Spruch für Veranstaltungen, sondern muss unser Leitbild im täglichen Zusammenleben sein. Nur wer die Geschichte kennt, sie annimmt und weiterträgt, kann in der Zukunft verhindern, dass die gleichen Fehler erneut gemacht werden.“ sagte die Kahlaer Bürgermeisterin. Enrico Bini, Bürgermeister von Castelnovo ne’Monti, betonte in seiner Rede, dass  der Frieden zwischen den Völkern täglichen Kontakt braucht. „Deshalb ist es mir so wichtig, dass heute vier Bürgermeister aus drei europäischen Ländern als Freunde gemeinsam ihrer gemeinsamen Geschichte, die auch von tiefer Feindschaft und Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg geprägt ist, gedenken und zusammen für die europäische Idee einstehen, die es gerade aktuell zu verteidigen gilt.“ 

Im Rahmenprogramm der Gedenkzeremonie auf dem zentralen Piazza Peretti in der Appeninnenstadt, gab es einen Gedenkmarsch zu den fünf zentralen Gedenkstätten, darunter ein Gedenkstein für die nach Kahla deportierten und dort verstorbenen Zwangsarbeiter. Auch berichteten Zeitzeugen über die Kriegsgeschehnisse. An der Gedenkplastik für die italienischen Frauen, welche Widerstand leisteten, berichtete die heute 93-jährige Castagnetti Giacomina, wie sie in einem kleinen italienischen Bergdorf mit 20 weiteren Frauen gegen die deutschen Invasoren kämpfte. Sie ist die einzige Überlebende und fährt heute noch nach Berlin und in andere Länder, um ihre Geschichte jungen Menschen zu erzählen. An Francesco Toschi, der 1944 nach Kahla deportiert wurde und dort verstarb, erinnert seit drei Jahren ein „Stolperstein“ vor dem Haus, in dem er lebte. Am Tag seiner Deportation übergab ihm sein 4-jähriger Sohn eine Zwille, mit der er sich gegen die deutschen Faschisten wehren sollte. Er kehrte niemals zu seiner Familie zurück. Sein Neffe nimmt seit mehreren Jahren an den Gedenkveranstaltungen in Kahla teil. 

Am 26.04. lud Bini alle Delegationen zu einer Arbeitssitzung in das Rathaus der Stadt ein. Er stellte ein europäisches Programm zur Zusammenarbeit von „jungen Europäern“ vor, welches er zusammen mit den anwesenden Städten, die alle eine ähnliche Einwohnerzahl haben, durchführen möchte. „Wir müssen junge Menschen in Europa zusammenbringen, um Kontakte zu ermöglichen.“ sagte Bini. Alle Teilnehmer waren sich einig den Kontakt weiter aufrecht zu erhalten. Denkbar ist auch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Castelnovo ne’Monti und der Stadt Kahla, so wurde eine internationale Städtepartnerschaft in die Diskussion gebracht. 

Eine Delegation aus der italienischen Stadt wird, wie schon in den vergangenen 10 Jahren, am 6. und 7. Mai zu den Gedenkfeierlichkeiten zu Ehren der Opfer der REIMAHG am Walpersberg teilnehmen. Am Ende des Jahres ist zu dem ein erneuter Besuch einer Schulklasse aus der italienischen Kleinstadt angedacht. „Bis Ende des Jahres werden italienische Historiker, gemeinsam mit unserem Verein eine Broschüre erarbeiten, die in allen Schulen der Region Reggio Emilia als Lernmaterial genutzt werden soll.“ berichtete Markus Gleichmann vom Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V. „Das die Aufarbeitung der Geschichte der REIMAHG zu einer internationalen Verständigung führt, ist ein wunderbares Ergebnis unser langjährigen Vereinsarbeit und zeigt, dass dieses Stück Geschichte sehr lebendig in der Gegenwart ist“, so Gleichmann abschließend.

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